#HMKstories

Ann-Kristin Kolwes (34)

Was hat Sie am Hochschulalltag begeistert?  

An meinem Studium haben mich besonders die vielen Freiheiten begeistert. Zugegebenermaßen hat mich das auch überfordert und verunsichert, aber frei nach meinen Interessen entscheiden zu können, mit welchen Theorien und Themen ich mich beschäftigen wollte, habe ich immer als sehr inspirierend wahrgenommen.  
 

Was ist Ihr Rat für nachkommende Erstakademiker:innen?  

  

Zwar zwingen Bachelor und Master auch das Studium immer mehr in eine strukturierte Form, aber auch die bietet sehr viele Freiheiten. Mein Rat wäre daher nicht nur die Pflichtkurse zu besuchen und sich ausschließlich an Leistungspunkten zu orientieren. Für sich selbst zu entscheiden und den eigenen Interessen zu folgen, kann auf lange Sicht ebenso wertvoll sein. Der Schritt sich die Uni zu eigen zu machen ist nicht immer einfach, aber er lohnt sich sehr – auch um sich weniger fremd zu fühlen.  
  

Was wünschen Sie sich von Hochschulen? 

 

Von Hochschulen wünsche ich mir, dass sie offener sind für die Veränderungen innerhalb unserer Gesellschaft und flexibler auf diese reagieren. Hochschule und Wissenschaft sozial durchlässiger zu gestalten bedeutet keinen Qualitätsverlust, sondern einen Zugewinn von Perspektiven, was letztlich zu größeren Erfolgen führt. 

Als Erste:r in der Familie zu studieren, kann mit unterschiedlichen Erfahrungen verbunden sein:

Ein:e Mentor:in gab den Anstoß oder die Familie stand voll dahinter. Bei anderen kam es zur Entfremdung mit der Familie, niemand wollte den Weg mitgehen. Einige wünschten sich von der Hochschule mehr Unterstützung, andere haben Netzwerke geknüpft.

In ihren #HMKstories erzählen Aufsteiger:innen von ihrem Weg. Wir sind gespannt!

Kira S. (25)

Wieso haben Sie sich für ein Studium entschieden?

Ich komme aus einer Kleinstadt. Schon während der Schulzeit hatte ich immer das Ziel, die Welt zu sehen, meinen Horizont zu erweitern, in eine Großstadt zu ziehen und zu studieren. Schon bevor ich mein Abitur in der Tasche hatte, hatte ich viele Studienwünsche, doch ich war mir nicht sicher, welches Studium wirklich zu mir passen würde. Ich entschied mich zuerst für eine Ausbildung im Medienbereich, ein Studium sollte folgen.

Hatten Sie eine Unterstützer:in, eine Impulsgeber:in?

 

In meiner Ausbildung hatte ich einen tollen Politik-Lehrer, der ein Weltverbesserer war. Sein Unterricht hat mich regelmäßig zum Nachdenken gebracht und war auch der Impuls, mich für ein Studium der Sozialwissenschaften zu entscheiden. Denn Politik, Nachhaltigkeit und Klimawandel wurden für mich immer wichtigere Themen.

Welche Herausforderungen hatten Sie als Erstakademiker:in?

Ich bin die erste Studierende in meiner Familie. Nicht alle konnten verstehen, warum ich studieren wollte und was ich da eigentlich genau studiere. Mein Vater hat immer gehofft, dass ich zurück in die Heimat komme, um seine Firma zu übernehmen und „richtig (also körperlich) zu arbeiten“. Meine Oma fragte mich, ob ich schlau genug für die Uni wäre. Ich denke, sie hatten einfach nur Angst, dass ich nicht genug Geld verdiene oder nicht in die Hochschulwelt hineinpasse. Mittlerweile verstehen sie es zwar immer noch nicht richtig, aber sie akzeptieren es.

Wie ist Ihre #HMKstory? Schicken Sie uns Ihre Geschichte gerne zu!

Isabell Lisberg-Haag (59)

Wieso haben Sie sich für ein Studium entschieden?  

Ich wollte Neues kennenlernen und endlich mein Lieblingsschulfach Geschichte studieren. Ich hatte keine Idee, was ich damit mache, denn mit dem Magisterabschluss konnte man seinerzeit nichts Konkretes anfangen. Ich weiß noch, wie ich am 1. Studientag dachte: „Jetzt fängt ein neues Leben an!“ 

Was hat Sie am Hochschulalltag begeistert?  

Die vielen Seminare, viele Themen, von denen ich nichts wusste, die aber interessant klangen. Ich konnte das auswählen, was mich interessierte, was für ein Privileg! Einfach mal ausprobieren und zur Not auch wieder fallen lassen. Und die Begegnung mit vielen neuen Menschen, es tat sich einfach ein neuer Horizont auf und ich hatte das Gefühl, endlich das zu machen, was ich wollte. 

Was ist Ihr Rat für nachkommende Erstakademiker:innen? 

Auch wenn kein konkretes Berufsziel damit verknüpft ist – das studieren, woran das Herz hängt. Unsicherheit gehört dazu, nicht einschüchtern lassen von den scheinbar so sicheren Kommiliton:innen. Eine Mentor:in suchen, das kann ein Prof. sein oder jemand anderes, der man vertraut. Und: sich selbst zu trauen, denn es ist ein toller Schritt, an eine Hochschule zu gehen! 

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Jutta Stahl (55)

Welche Herausforderungen hatten Sie als Erstakademiker:in?

Ich habe mein Abitur erst im 2. Bildungsweg mit 27 gemacht, da meine Lehrer und somit auch meine Eltern mich für ungeeignet hielten. Auch noch als ich mich für das Studium entschied, hielt ich mich für ungebildet und nicht eloquent genug. In allen Bereichen von den akademischen Leistungen bis zu den sozialen Situationen war ich somit immer äußerst unsicher.


Hatten Sie eine:n Unterstützer:in, eine Impulsgeber:in?

Mein Deutschlehrer im Abitur, der mir zeigte, dass man auch Dinge lernen kann, die man eigentlich gar nicht kann (für mich Deutsch und Geschichte). Und mein Diplomarbeitsbetreuer, ein Professor für Kognitive Psychologie, der mich mit Aufgaben an meine (scheinbar) intellektuellen Grenzen brachte und mir damit belegte, dass da noch gar keine Grenze war.

Was wünschen Sie sich von Hochschulen?

Grundsätzlich ein fundamentales Umdenken! Dies gilt auch hinsichtlich der Förderung von schlummernden Potentialen. Diese können neue Perspektiven und Visionen in die Hochschullandschaft und somit auch in die Forschung bringen. Das ermöglicht, den verstaubten akademischen Dünkel hinter sich zu lassen und die Probleme unserer Zeit mit einer anderen Brille zu betrachten und anzugehen. Intellektuell, menschlich und gesellschaftlich.