#HMKstories

Als Erste:r in der Familie zu studieren, kann mit unterschiedlichen Erfahrungen verbunden sein:

Ein:e Mentor:in gab den Anstoß oder die Familie stand voll dahinter. Bei anderen kam es zur Entfremdung mit der Familie, niemand wollte den Weg mitgehen. Einige wünschten sich von der Hochschule mehr Unterstützung, andere haben Netzwerke geknüpft.

In ihren #HMKstories erzählen Aufsteiger:innen von ihrem Weg. Wir sind gespannt!

Wie ist Ihre #HMKstory? Schicken Sie uns Ihre Geschichte gerne zu!

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Josefine Roth (26)

Warum haben Sie sich für ein Studium entschieden? 

 

In erster Linie habe ich mich für ein Studium entschieden, um meine Interessen, die sich im Laufe meiner Schulzeit entwickelt haben, zu verfolgen. Mich haben die Schulfächer Mathematik und Betriebswirtschaftslehre damals schon begeistert. Außerdem hatte ich immer sehr viel Rückenwind. Meine Familie hat mich bei der Entscheidung zu studieren sehr unterstützt – was für mich besonders wichtig war! 

 

Was begeistert Sie am HAW-Hochschulalltag?  

 

Ich schätze das Bestreben theoretisches Wissen in die praktische Anwendung zu überführen sehr. Ich glaube, dass ist der Kerngedanke hinter dem HAW-Konzept und für mich persönlich auch sehr hilfreich. Ich konnte bereits im Bachelor-Studium den Grundstein für mein künftigen Berufseinstieg legen. Zudem mag ich den engen Austausch sowohl zu anderen Studierenden als auch zu den Professor:innen. 

 

 

Was ist Ihr Rat für nachkommende Erstakademiker:innen? 

 

Ich glaube, dass die Hochschulen selbst sehr offen sind für Erstakademiker:innen und man auch dort unterstützt werden kann. Die größte Hürde für den Studienbeginn sehe ich im privaten, familiären Umfeld. Ich hatte das Glück immer Unterstützung zu finden. Auch finanziell kam ich mit Bafög und Nebenjob immer gut über die Runden. Ich denke, dass jede:r, der studieren möchte, dies auch tun kann und sollte. Meiner Familie hat es zudem geholfen, miteinbezogen zu werden. Sie waren bspw. beim Besuch der Hochschulen (Tag der offenen Tür), die für mich in Frage kamen, wenn möglich, immer mit dabei.  

Wieso haben Sie sich für ein Studium entschieden?

Ich komme aus einer Kleinstadt. Schon während der Schulzeit hatte ich immer das Ziel, die Welt zu sehen, meinen Horizont zu erweitern, in eine Großstadt zu ziehen und zu studieren. Schon bevor ich mein Abitur in der Tasche hatte, hatte ich viele Studienwünsche, doch ich war mir nicht sicher, welches Studium wirklich zu mir passen würde. Ich entschied mich zuerst für eine Ausbildung im Medienbereich, ein Studium sollte folgen.

Hatten Sie eine Unterstützer:in, eine Impulsgeber:in?

 

In meiner Ausbildung hatte ich einen tollen Politik-Lehrer, der ein Weltverbesserer war. Sein Unterricht hat mich regelmäßig zum Nachdenken gebracht und war auch der Impuls, mich für ein Studium der Sozialwissenschaften zu entscheiden. Denn Politik, Nachhaltigkeit und Klimawandel wurden für mich immer wichtigere Themen.

Welche Herausforderungen hatten Sie als Erstakademiker:in?

Ich bin die erste Studierende in meiner Familie. Nicht alle konnten verstehen, warum ich studieren wollte und was ich da eigentlich genau studiere. Mein Vater hat immer gehofft, dass ich zurück in die Heimat komme, um seine Firma zu übernehmen und „richtig (also körperlich) zu arbeiten“. Meine Oma fragte mich, ob ich schlau genug für die Uni wäre. Ich denke, sie hatten einfach nur Angst, dass ich nicht genug Geld verdiene oder nicht in die Hochschulwelt hineinpasse. Mittlerweile verstehen sie es zwar immer noch nicht richtig, aber sie akzeptieren es.

Kira S. (25)

Ann-Kristin Kolwes (34)

Was hat Sie am Hochschulalltag begeistert?  

An meinem Studium haben mich besonders die vielen Freiheiten begeistert. Zugegebenermaßen hat mich das auch überfordert und verunsichert, aber frei nach meinen Interessen entscheiden zu können, mit welchen Theorien und Themen ich mich beschäftigen wollte, habe ich immer als sehr inspirierend wahrgenommen.  
 

Was ist Ihr Rat für nachkommende Erstakademiker:innen?  

  

Zwar zwingen Bachelor und Master auch das Studium immer mehr in eine strukturierte Form, aber auch die bietet sehr viele Freiheiten. Mein Rat wäre daher nicht nur die Pflichtkurse zu besuchen und sich ausschließlich an Leistungspunkten zu orientieren. Für sich selbst zu entscheiden und den eigenen Interessen zu folgen, kann auf lange Sicht ebenso wertvoll sein. Der Schritt sich die Uni zu eigen zu machen ist nicht immer einfach, aber er lohnt sich sehr – auch um sich weniger fremd zu fühlen.  
  

Was wünschen Sie sich von Hochschulen? 

 

Von Hochschulen wünsche ich mir, dass sie offener sind für die Veränderungen innerhalb unserer Gesellschaft und flexibler auf diese reagieren. Hochschule und Wissenschaft sozial durchlässiger zu gestalten bedeutet keinen Qualitätsverlust, sondern einen Zugewinn von Perspektiven, was letztlich zu größeren Erfolgen führt. 

Inken Köhler (50)

Was hat Sie am Hochschulalltag begeistert?

Besonders begeistert hat mich die grenzenlose Freiheit, all die Fächer und Themen auszuwählen, die sich mir auf dem Silbertablett boten. Und die Möglichkeit, meinen Interessensschwerpunkt individuell zusammenstellen zu können. Ich habe es sehr genossen, Begegnungen mit vielen neuen Menschen ganz unterschiedlicher Herkunft zu haben. Daraus sind Freundschaften fürs Leben geworden, die mich bis heute prägen und begleiten. Das Studium hat mir eine neue Subkultur geschenkt, in der ich mich schnell heimisch gefühlt habe. Die Städte, in denen ich studiert habe, sind ein wichtiger Teil meiner Identität geworden.

 

Welche Herausforderungen hatten Sie als Erstakademiker:in?

„Mädchen müssen doch nicht unbedingt studieren.“ Das ist eine der familiären Reaktionen auf meine Pläne, an die Uni zu gehen, die ich noch im Ohr habe. An der Uni angekommen, warteten viele neue Wörter und Begrifflichkeiten auf mich. Ich kannte die universitären Strukturen nicht. Ich wusste nicht, wie eine Uni tickt und funktioniert. Auch wusste ich damals nicht, wie akademische Karrieren gemacht werden, und ich erinnere mich an gelegentliche Unsicherheiten bzgl. des eigenen Könnens. Was mir sehr geholfen hat, ist meine Zielstrebigkeit und meine Neugier auf Neues. Nicht immer einfach war es, meiner Familie zu vermitteln, was ich da tue, und vor allem, was man denn später mit einem Ethnologie-Studium macht (brotlose Kunst, Orchideenfach).

  

Was ist Ihr Rat für nachkommende Erstakademiker:innen?

Nach Bauchgefühl entscheiden - sowohl hinsichtlich der Frage „Uni ja oder nein?“ als auch bezüglich der Fächerwahl. Einfach machen! Meine Erfahrung ist, was mir Freude macht, das mache ich auch gut (gilt natürlich auch umgekehrt). Und: Nicht allein vor sich hin wurschteln, sondern Kontakte knüpfen und im regen Austausch mit anderen bleiben. Ein weiterer Rat: Sich zu Wort melden, mitreden und diskutieren. Sich nicht abschrecken lassen von denen, die schlauer wirken, weil sie schlau reden. Die Inhalte sind nicht zwangsläufig großartig, sondern lediglich in gehobene Sprache gepackt.

Isabell Lisberg-Haag (59)

Wieso haben Sie sich für ein Studium entschieden?  

Ich wollte Neues kennenlernen und endlich mein Lieblingsschulfach Geschichte studieren. Ich hatte keine Idee, was ich damit mache, denn mit dem Magisterabschluss konnte man seinerzeit nichts Konkretes anfangen. Ich weiß noch, wie ich am 1. Studientag dachte: „Jetzt fängt ein neues Leben an!“ 

Was hat Sie am Hochschulalltag begeistert?  

Die vielen Seminare, viele Themen, von denen ich nichts wusste, die aber interessant klangen. Ich konnte das auswählen, was mich interessierte, was für ein Privileg! Einfach mal ausprobieren und zur Not auch wieder fallen lassen. Und die Begegnung mit vielen neuen Menschen, es tat sich einfach ein neuer Horizont auf und ich hatte das Gefühl, endlich das zu machen, was ich wollte. 

Was ist Ihr Rat für nachkommende Erstakademiker:innen? 

Auch wenn kein konkretes Berufsziel damit verknüpft ist – das studieren, woran das Herz hängt. Unsicherheit gehört dazu, nicht einschüchtern lassen von den scheinbar so sicheren Kommiliton:innen. Eine Mentor:in suchen, das kann ein Prof. sein oder jemand anderes, der man vertraut. Und: sich selbst zu trauen, denn es ist ein toller Schritt, an eine Hochschule zu gehen! 

Ich habe in meiner Kernfamilie als erste studiert. Es gab einen Onkel, der bei der Bundeswehr Lehramt studiert hat, das war mir damals nicht bekannt. Meine Eltern sind vom Rheinland nach Hamburg umgezogen, als ich noch in der 12. Klasse war. Ich blieb bei einer befreundeten Familie wohnen und machte das Abitur. Danach wollte ich gern im Rheinland bleiben und begann ein einjähriges Praktikum an einem Krankenhaus – ich wollte Krankengymnastin werden und die Schulen hatten lange Wartelisten. Zum Ende des Praktikums entschied ich mich für ein Studium: „Na, dann studiere ich eben.“ Diese Möglichkeit kam mir im Gespräch mit älteren Freundinnen in den Sinn und ich hatte nicht das Gefühl, das nicht schaffen zu können.

Als ich dann zum ersten Mal in die Uni kam und den Hörsaal mit der ersten Pflichtveranstaltung betrat, war ich doch geplättet und aufgeregt. Ich schaute mich um und überlegte, wo ich mich in diesem riesigen Saal wohl hinsetzen sollte. Da sah ich ein bekanntes Gesicht! Eine Mitschülerin aus dem Gymnasium, mit der ich in der Schule nur ganz lose Kontakt hatte, saß da! Nicht zu fassen! Also ging ich zu ihr und setzte mich neben sie. Von diesem Tag an waren wir ein Tandem, besuchten Veranstaltungen gemeinsam, lernten zusammen, tauschten uns aus, erkundeten die Bibliothek, schrieben gemeinsam Referate und Hausarbeiten, erklärten uns die Stoffe und stellten uns bohrende Fragen bei der Prüfungsvorbereitungen. Später schrieben wir unsere Diplomarbeit zusammen und promovierten am selben Datensatz. Ein ungeheuer großer Schatz war das für mich!

Im Unterschied zur Schule fand ich die Universität aufregend, weil ich verschiedene Seminare oder Vorlesungen wählen konnte und damit auch die Themen, mit denen ich mich beschäftigen wollte. Das fand ich toll! Ich konnte auch Themen meiner Referate oder Arbeiten wählen und neugierig auf die Inhalte sein – auch wenn ich manchmal enttäuscht wurde, wie spröde die Details eines Themas waren. Außerdem fühlte ich mich frei und erwachsen in diesen großen Räumen und weiten Wegen, mit den vielen verschiedenen Menschen. Einige habe ich besser kennengelernt und sie sind noch immer Teil meines Lebens.

Dr. Ute Zimmermann (59)

Jutta Stahl (55)

Welche Herausforderungen hatten Sie als Erstakademiker:in?

Ich habe mein Abitur erst im 2. Bildungsweg mit 27 gemacht, da meine Lehrer und somit auch meine Eltern mich für ungeeignet hielten. Auch noch als ich mich für das Studium entschied, hielt ich mich für ungebildet und nicht eloquent genug. In allen Bereichen von den akademischen Leistungen bis zu den sozialen Situationen war ich somit immer äußerst unsicher.


Hatten Sie eine:n Unterstützer:in, eine Impulsgeber:in?

Mein Deutschlehrer im Abitur, der mir zeigte, dass man auch Dinge lernen kann, die man eigentlich gar nicht kann (für mich Deutsch und Geschichte). Und mein Diplomarbeitsbetreuer, ein Professor für Kognitive Psychologie, der mich mit Aufgaben an meine (scheinbar) intellektuellen Grenzen brachte und mir damit belegte, dass da noch gar keine Grenze war.

Was wünschen Sie sich von Hochschulen?

Grundsätzlich ein fundamentales Umdenken! Dies gilt auch hinsichtlich der Förderung von schlummernden Potentialen. Diese können neue Perspektiven und Visionen in die Hochschullandschaft und somit auch in die Forschung bringen. Das ermöglicht, den verstaubten akademischen Dünkel hinter sich zu lassen und die Probleme unserer Zeit mit einer anderen Brille zu betrachten und anzugehen. Intellektuell, menschlich und gesellschaftlich.